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Auf unserer Startseite erfahren Sie alle Neuigkeiten aus dem Münchner Forum, interessante Hinweise auf Veranstaltungen finden Sie auch unter der Rubrik "Externe Veranstaltungen"

Dienstag
Sep082015

Die Sommerausgabe der Standpunkte mit dem Themenschwerpunkt Innenstadt

 

 

Unser Standpunkte-Doppelheft widmet sich der Münchner Innen­stadt. Wohl jeder sieht und spürt die Veränderungen, die das Kern­gebiet der Stadt durchmacht. Die baulichen Veränderungen sind die Blasen an der Oberfläche und Chiffre dafür, dass darunter ein tiefgrei­fender wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Wandel vonstatten­geht. Für die Einen ist es willkommener Ausdruck von Modernität, Dynamik und Weltoffenheit, dass sich München den Anforderungen zeitgemäßer Ansprüche stellt und sich ihnen anpasst. Für die Anderen geht dies mit der Sorge einher, dass der erkennbare Strukturwandel insbesondere der Innenstadt noch erhebliche zerstörerische Wirkun­gen auf das übrige Stadtgefüge und das Sozialgefüge der Münchner Stadtgesellschaft insgesamt ausüben wird. – Tatsächlich verwandelt sich die Innenstadt langsam zum Showroom für globale Markenun­ternehmen, drängen vermögende Einkommensschichten in die inner­städtischen Domizile, um München temporär als Kulisse ihrer Unter­haltungsbedürfnisse und Freizeitevents zu nutzen, vor Ort sekundiert von Niederlassungen der Steuervermeidungsindustrie zur Wohlstands­verteidigung. Die Finanzkrise von 2008 ff spülte zusätzlich global vagabundierendes, nach profitablen Anlagen suchendes Kapital in die Münchner Innenstadt und verwandelte es hier zu „Betongold“: je teu­rer desto höher die Renditen – koste es was es wolle: Die Innenstadt als Myzel, auf dem die Verwertung von Kapitalvermögen gedeiht. Die sozialen Kosten dieser „Stadtveredelungsstrategie“ haben vor allem diejenigen zu tragen, die schon heute und sicher morgen sich ein sol­ches München werden nicht mehr leisten können. – Wohin treibt die Münchner Innenstadt? Und begnügt sich die Münchner Stadtpolitik weiterhin mit ihrer Rolle, Investoren zum Umpflügen der Münchner Innenstadt den roten Teppich auszurollen?

Dieses Standpunkte-Doppelheft bietet einige Analysen und Konzep­te zur Münchner Innenstadt-Entwicklung – die Diskussion ist damit nicht beendet, sondern sollte erst richtig beginnen.

Wir wünschen unseren Leserinnen und Lesern einen angenehmen Sommer – in München oder wo auch immer. Anfang Oktober meldet sich die Redaktion mit der nächste Standpunkte-Ausgabe zurück.

Detlev Sträter 1. Vorsitzender des Programmausschusses

Die Ausgabe im pdf-Format finden Sie hier

Donnerstag
Jul092015

Workshop "Urbane Dichte Gestalten"

Wir laden Sie herzlich ein zum

WORKSHOP

URBANE  DICHTE  GESTALTEN

des Arbeitskreises Stadt: Gestalt und Lebensraum im Münchner Forum e.V. in Kooperation mit der Evangelischen Stadtakademie

Donnerstag, 1.10.2015 von 16:00 bis 21:00 Uhr

Ev. Stadtakademie, Herzog-Wilhelm-Str. 24, 80331 München

Drei Arbeitsgruppen werden an drei Tischen die vom Arbeitskreis vorgedachten und in den Veranstaltungen vom 7. und 22. Mai 2015 vorgestellten Themen vertiefen:

● Das Quartier bewohnen (neues Wohnen, Nutzungsanreicherung, Erdgeschoss

   und Außenraum, Gestalt)

● Das wohltemperierte Quartier (Klima, Vegetation und vernetzte Grünräume)

● Neue Verfahrenskultur / erweiterte Beteiligungsformen / Regeln ändern!

Im Fokus stehen Empfehlungen für die wachsende Stadt und besonders für die letzten noch zu planenden Wohngebiete Münchens. Die Workshop-Ergebnisse sollen im November der Stadtbaurätin vorgestellt werden.

Die Mitarbeit im Workshop steht Interessierten offen. Die Teilnehmerzahl ist jedoch  auf 30 Personen begrenzt. Die Anwesenheit u. Mitarbeit während der 5 Stunden ist verpflichtend.

Anmeldungen beim Münchner Forum unter info@muenchner-forum.de werden bis Ende Juli 2015 erbeten.

 

 

Mittwoch
Jul082015

Die Juliausgabe der Standpunkte Themenschwerpunkt: Der Norden der Region München

Foto: WWA MÜNCHEN

„Die Region ist die Stadt“. Diese Metapher bringt auf den Punkt, was Stadtentwicklung heute ist, nämlich eine Angelegenheit, die in Verdichtungsräumen wie München weder die Kernstadt noch die Umlandgemeinden allein stemmen können. Fast alle Themen haben eine regionale Dimension erhalten, die Gemeinden sind in ihren Belangen hochgradig miteinander vernetzt. Regionalplanung, so könnte man meinen, hätte damit Hochkonjunktur. Doch eher das Gegenteil ist der Fall: Regionalplanung hat offensichtlich an Regelungskapazitäten eingebüßt, ihren Anspruch darauf gar aufgegeben? Die Gemeinden auf der anderen Seite sind auf ihre kommunalrechtlichen und jeweiligen gemeindegebietlichen Zuständigkeiten verwiesen. In die strukturelle Planungs- und Handlungslücke stoßen, so scheint es, in der Region München die Landkreise – die die Aufgabe übergemeindlicher Planung und Koordination nun übernehmen.
Wir setzen mit dieser STANDPUNKTE-Ausgabe das Thema der letzten Ausgabe fort, nämlich die Befassung mit Fragen, die in engem Zusammenhang mit dem Wachstum Münchens stehen, aber räumlich über das Stadtgebiet München deutlich hinausweisen. Insbesondere der Norden der Region München weist Dynamiken auf, die Probleme aufwerfen und neue Lösungen erfordern. Wir haben dazu Gespräche mit zwei Landräten geführt, die seit der letzten Kommunalwahl ihre Ämter ausüben. Ferner enthält diese Ausgabe Beiträge über unterschiedliche Aspekte der Entwicklung, die einen kleinen Eindruck vermitteln, wie vielfältig und komplex die Aufgaben hier sind.
Darüber hinaus greifen wir in dieser Ausgabe weitere Themen aus der Arbeit des Münchner Forums auf.

Detlev Sträter
1. Vorsitzender des Programmauss chuss es des Münchner Forums

Die Juliausgabe der Standpunkte finden Sie hier.

Donnerstag
Jul022015

Erkundung der Isar-Hangkante vom Gasteig bis Harlaching

Bei einer Radl-Exkursion des Arbeitskreises Öffentliches Grün  am 9. Juni 2015 erfolgte die historisch-aktuelle Erkundung des Isarhochufers zwischen Gasteig und Harlaching,  vorbereitet und geleitet von Klaus Bäumler.

Die urbane Naturlandschaft der Isar in München  steht seit Jahren erfolgreich im Zentrum bürgerschaftlichen Engagements.   Mit der Fortführung  des Isarplans  über die Corneliusbrücke nach Norden sollen  in den stadtnahen Isarbereichen weitere Akzente gesetzt werden. Ausgelöst durch Anträge aus dem Stadtrat und den Bezirksausschüssen fanden 2010 und 2012 die Workshops „Stadt und Fluss – Innerstädtischer Isarraum“ statt, deren Ergebnisse mit Handlungsvorschlägen für den Isarraum bis zur Prinzregentenbrücke noch 2015 vom Stadtrat beschlossen werden sollen.

 Aber auch die Hochufer der Isar sind  in der topographischen Gesamtschau der Isar-Metropole von besonderer Bedeutung. Soweit ersichtlich,  ist die Analyse der  städtebaulichen und stadtgeschichtlichen Entwicklung dieses,  das Bild Münchens prägenden Bereichs, in einer disziplinübergreifenden Gesamtbetrachtung noch nicht erfolgt.   Ein typischer „weisser Fleck“ ist der knapp zwei Hektar große Kronepark  am Nockherberg, der als Privatpark angelegt und vor Bebauung bewahrt wurde. Es ist über den Einzelfall hinaus ertragreich, die  bisher wenig bekannte Historie dieser städtischen Grünanlage zu erarbeiten,  auch wenn die Quellenlage disparat ist.  Die  Existenz dieses  „öffentlichen Grüns“ geht auf das Engagement von Franz Xaver Schmederer zurück, der Ende des 19. Jahrhunderts in attraktiver landschaftlicher Lage am Isarhochufer diesen  Privatpark geschaffen  und noch zu Lebzeiten Regelungen getroffen hatte,  sein grünes Refugium vor Bodenspekulation zu bewahren.

Der Arbeitskreis Öffentliches Grün im Münchner Forum hat sich vorgenommen, die Erkundung  durch weitere Exkursionen fortzuführen und zu vertiefen.  Zum 150. Todestag des preussischen Landschaftsarchitekten, Stadtplaners und Gartenkünstlers Peter Joseph Lenné am 23. Januar 2016 soll an dessen Wirken in München im Auftrag von König Max II. erinnert  sowie die Umsetzung und Fortwirkung der Vorschläge Lennés bis in die Gegenwart nachverfolgt werden.   In diesem Zusammenhang werden die Protagonisten vorgestellt, die  über zwei Jahrhunderte hinweg  dazu beigetragen haben,   dass das Isar-Hochufer als traditioneller Münchner Spazierweg  zwischen Oberföhring und Großhesselohe bis Grünwald weitgehend unbebaut erhalten blieb:

  • ·         Friedrich Ludwig von Sckell (1750-1823) und Maximilian Graf Montgelas (1759-1838):

Montgelas-Park zwischen Bogenhausen und Oberföhring um 1800

  • ·         Peter Joseph Lenné (1789-1866) und König Max II. (1811-1864):

Schmuck- und Grenzzügeplan München 1854, Maximilians- und Gasteiganlagen

  • ·         Max Kolb (1829-1915):

Umsetzung des Schmuck- und Grenzzügeplans

  • ·         Theodor Fischer (1862-1938):

Gutachten zur Freihaltung der Isar-Steilhänge, Schutz vor Bebauung durch Staffelbauordnung, Sicherung der Sichtverbindungen

  • ·         Gabriel von Seidl (1848-1913):

Gründer des Isartalvereins und „Motor“ des Grunderwerbs der Isarhänge bis nach Grünwald    durch die Stadt München

  • ·         Karl Meitinger (1882-1970): Schutz der Isarhochufer und des  Hangfußes vor Bebauung 1946.

Viele der circa zwanzig  Teilnehmer an der Exkursion  waren  überrascht, dass zwischen Gasteig und Harlaching eine nahezu durchgehende  und attraktive „Grüne Achse“ für  Fußgänger und Radler existiert, die einen wichtigen Beitrag  zur Entlastung des  Fuß- und Radwegsystems   beidseits der Isar leisten könnte.  Dass der hohe Rang der Spazierwege entlang der Hangkante mit Blick auf Stadtsilhouette und Gebirge den Stadtplanern schon Anfang des 20. Jahrhunderts bewusst war, dokumentieren die  Brücken mit welchen  Eisenbahntrasse und Hangstraßen fußgängerfreundlich  überwunden wurden, um den   traditionellen Münchner Spazierweg am östlichen Isarhochufer  nicht zu unterbrechen. Die ersten Katasterblätter („Uraufnahmen“)  ab 1808 überliefern  entlang der Hangkante zwischen Harlaching und Haidhausen  eine Wegebeziehung, vielfach als „Gangsteig“ bezeichnet.  Diese historischen Karten sind über das  Geoportal Bayern im digitalen Bayernatlas aufrufbar. 

Den  Teilnehmern wurde ein Exkursionsplan mit den  Stationen der Erkundungsfahrt, in bewährter Weise gestaltet von  Franz Schiermeier, ausgehändigt.

Station 1: Auffahrt von der Ludwigsbrücke über Riggauerweg zur Hochstraße

Treffpunkt für die Exkursion war die „Schiffschraube“ am Deutschen Museum, auch „Drei-Länder-Eck“ genannt, weil hier die Stadtbezirke Isarvorstadt - Ludwigsvorstadt, Au – Haidhausen und Altstadt – Lehel aneinanderstoßen (Amtlicher Stadtplan München: http://maps.muenchen.de/stadtplan/ ).  Abseits des stark befahrenen Radwegs am Rosenheimer Berg  nahm die Gruppe die Hangauffahrt über den Riggauerweg zur Hochstraße.  Die Nicht-Ortskundigen waren überrascht, dass der Grünbereich des steilen Isarhangs durch zahlreiche Fußwege erschlossen ist (Wilhelm-Herbert-Weg, Fischerweg, Joseph-Holzer-Weg und Zacherlweg).  Diese „Zubringerwege“ unterstreichen die zentrale Funktion der Nord-Süd-Hauptwegachse an der oberen Hangkante (Hochstraße).

Station 2: Gebsattel-Brücke

Die Gebsattel-Brücke wurde 1901/2 nach dem Entwurf Theodor Fischers errichtet.  Die zur  besseren Verkehrserschließung der Au  neu angelegte Hangstrasse (Gebsattelberg) sollte die traditionelle Verkehrsbeziehung  auf der oberen Hangkante (Hochstraße) nicht unterbrechen.  Das künstlerisch  aufwendig gestaltete Brückenbauwerk  wurde durch Treppenanlagen für Fußgänger und eine Aussichtsterrasse ergänzt.

Schon 1895 hatte sich Theodor Fischer grundlegend mit der „Ausgestaltung der Steilhänge der Isar“ befasst  und den Bau von „mehreren Auffahrten“  zwischen Lilienberg und Bergstraße für notwendig erachtet. Die Realisierung dieser  Planungsidee erfolgte mit dem Neubau des Gebsattelbergs und dem Ausbau des Nockherbergs.  Die damit verbundene Demolierung der den Hang einnehmenden Herbergen nahm Theodor Fischer in Kauf mit dem Ziel, „die vollständige Freilegung der ganzen Strecke anzustreben, umso mehr, als die Vorstädte Au und Giesing einer öffentlichen Anlage dringend bedürfen.“Theodor Fischer entwickelte differenzierte Vorschläge für die westlichen und östlichen Hangbereiche. Seine Prämisse: „Die Freistellung der Steilhänge von privater Ausnutzung ist ohne Zweifel zur Wahrung der vielgerühmten landschaftlichen Schönheit des Isartales sehr erwünscht.“

Station 3: „Wohnen am Nockherberg“: Planungen Paulaner-Brauerei / Bayerische Hausbau

Die Verlagerung der Paulaner Brauerei nach Langwied wird 2016 abgeschlossen sein. Damit bietet sich die große städtebauliche Chance, das 90.000 qm große Areal der Paulaner Brauerei in den drei Teilbereichen Ohlmüllerstraße am Auer Mühlbach, Welfenstraße zwischen Regerstraße und Eisenbahntrasse sowie zwischen Regerstraße und Hochstraße einer optimalen städtebaulichen Aufwertung zuzuführen.  Derzeit zeichnet sich ab, daß die Bayerische Hausbau diese Chance erkannt hat und umsetzen wird.  Wettbewerbsverfahren und umfassende Bürgerbeteiligung sind transparent und nachvollziehbar auf der einschlägigen Website dokumentiert.  Der erste Preis für den Bereich zwischen Hochstraße und Regerstraße ging an das Büro Rapp & Rapp, Amsterdam und die Landschaftsarchitekten Atelier Quadrat, Rotterdam.  Das besondere Merkzeichen des prämierten Entwurfs, der derzeit für das § 3 Abs. 2 BauGB-Verfahren überarbeitet wird, ist eine weitläufige öffentliche Grünfläche mit Rad- und Fußwegen, die in Höhe des bestehenden „Isar-Stadt-Balkons“ an die Hochstraße anschließt. Das „Wohnen am Nockherberg“ gewinnt durch diese unmittelbare Verknüpfung mit der bestehenden Fuß- und Radwegtrasse, die nach Süden auf kurzem Weg in die „Natur“, nach Norden zur „Kultur“ im Gasteig führt, einen hohen Mehrwert.

Station 4: Nockherberg-Brücke

Seit 1977 überspannt die Nockherberg-Brücke  die Nockherbergstraße und verbindet die Hochstraße mit der öffentlichen Grünanlage „Kronepark“. Damit setzte sich noch in der Ära  Kronawitter die gute Brückenbau-Tradition, eingeleitet von Theodor Fischer, fort.  „Die Aufwertung des bestehenden Grünzugs zu einem innerstädtischen Naherholungsbereich erforderte eine Fußgängerverbindung.“  Die 50 m lange Bogenbrücke aus Stahlbeton wirkt elegant und vor allem, wenn die Verkleidung des Brückengeländers regelmäßig gereinigt würde, transparent.

Station 5: Kronepark

Der Kronepark, seit 1958  städtische Grünanlage, ist  mit  nahezu 20.000 qm ein  grünes Herzstück von höchstem Erholungswert,  privilegiert und vom Verkehrslärm abgeschottet,  an der Isarhangkante gelegen. Von seiner Größe her ist der Kronepark mit dem Finanzgarten vergleichbar.

Die Bezeichnung „Kronepark“ für die versteckt und idyllisch gelegene Grünoase gibt Rätsel auf.  Die Stadt München hat Mitte der 1950-er Jahre das Parkareal von der Familie Krone, Inhaberin des Circus Krone, erworben. Deren Bauwünsche, hier in exponierter Lage etwa 200 Wohnungen zu errichten, ließen sich nicht realisieren. Unter welchen  Bedingungen die Familie Krone das  Grundstück an die Stadt München übertragen hat, bedarf noch der Recherche. Ob sich damals die Stadt München verpflichtete,  die öffentliche Grünanlage  künftig mit dem  ehrenden Namen  „Kronepark“ zu bezeichnen, ist  ungeklärt.

Näher hätte es  gelegen, mit der Benennung  „Schmedererpark“ diejenige  Persönlichkeit zu ehren, der Existenz und Erhaltung dieser historischen Grünanlage zu verdanken ist.

Franz Xaver Schmederer (1843-1918), Mitinhaber der Zacherlbrauerei in der Au, hat 1880 das Wiesengrundstück zwischen Nockherberg, Isarhangkante und Eisenbahntrasse aus Familienbesitz zu Alleineigentum erworben.  Schmederer beauftragte Hofgärtendirektor Karl von Effner (1831-1884) mit der Planung  einer Gartenanlage im englischen Landschaftsstil.  Nach dem frühen Tod Effners betraute Schmederer mit der  weiteren Ausgestaltung seines Parks  Hofgärtendirektor Jakob Möhl (1846-1916) und Stadtgartendirektor  Jakob Heiler (1855-1922) als  kompetente Berater.

 1882 errichtete Schmederer nach  Plänen des Architekten Albert Schmidt im Park  eine stattliche Villa, die er bis zu seinem Tod im Jahr 1918 bewohnte.

Aus Gesundheitsgründen hatte  sich Schmederer   1886 aus dem Braugeschäft zurückgezogen und die  Zacherlbrauerei in eine Aktiengesellschaft eingebracht, die ab 1899 als Paulanerbräu AG mit dem Zusatz „Zum Salvatorkeller“ firmierte.   Der Kaufpreis betrug 3.800.000 Goldmark, den Schmederer  sich mit seinem Cousin Ludwig teilte. Ludwig Schmederer zog sich ebenfalls aus dem Geschäft zurück, ließ sich in Salzburg eine stattliche Neo-Renaissance-Villa errichten, förderte Kunst und Kultur der Stadt Salzburg, die ihm die Ehrenbürgerwürde verlieh. Die illustre  „Villa Schmederer“  in Salzburg ist immer noch ein Prestige-Objekt und derzeit im Eigentum von Erich Kellerhals, dem Mitinhaber  von Media-Saturn.

Die Münchner Schmederer-Villa  am Nockherberg 7, 1932 von der Familie Krone erworben, wurde  1944 bei einem Fliegerangriff zerstört.

 

Geschickte Schachzüge:

Wie Franz Xaver Schmederer schon zu Lebzeiten seinen geliebten Park vor Bebauung rettete.

Franz Xaver Schmederer zeichnete sich durch seine Liebe zur Natur aus; die Erhaltung des von ihm liebevoll geschaffenen Parks über seinen Tod hinaus, war ihm ein großes Anliegen. In der von ihm verfassten  „Geschichte meiner Villa“, in der Schmederer detailreich das Werden von Park und Villa beschreibt, ist dokumentiert, wie er in Kooperation mit der Stadt München  dafür sorgte, sein grünes Refugium langfristig vor künftiger Bebauung zu bewahren.

In einem ersten Schritt setzte Schmederer  1897/99 durch, dass im Südteil des Parks bereits von der Stadt festgesetzte Baulinien mit Genehmigung des Innenministeriums aufgehoben wurden. Mit einer  dort projektierten 30 Meter breiten Straße wäre, so Schmederer wörtlich, „die Schönheit und Einheit des wundervollen Gartens mit einem Schlage dahin gewesen und die einzig schöne, großzügige Anlage des Gartens total zerstört worden.“  In einem zweiten Schritt beschränkte Schmederer  die künftige Bebauungsmöglichkeit seines Parks   rechtsverbindlich für seine Erben und alle nachfolgenden Eigentümer,  um Terrainspeculationen“ mit seinem wunderschönen Garten  zu verhindern. Er traf „Fürsorge, daß auf dem Objekt nicht etwa eine Reihe von Mietkasernen entstehen, sondern nur insgesamt fünf einzelne Familienhäuser zulässig sein sollen, damit  ein zusammenhängendes landschaftliches Gesamtbild, wie es sich gegenwärtig so schön zeigt, erhalten bleibt.“

Diese gravierende Beschränkung  wurde 1903 in einem notariellen Vertrag zwischen Schmederer  und  Stadt München rechtsverbindlich begründet. Sie ist  auch heute noch wirksam und hindert die Stadt München, dieses  Filetgrundstück  einer maximalen baulichen Nutzung zuzuführen. 

Vieles spricht dafür, dass diese verbindliche Reduzierung des Baurechts in den 1950-er Jahren eine  Bebauung mit 200 Wohnungen durch die Familie Krone  verhinderte und letztlich die eingeschränkte Verwertbarkeit  den Erwerb des „Schmedererparks“ durch die Stadt München ermöglichte.

Die von Franz Xaver Schmederer gewählte Rechtskonstruktion  einer zivilrechtlichen Beschränkung der baulichen Ausnutzbarkeit eines Grundstücks ist auch heute  durch notariellen Vertrag mit der Stadt  und entsprechendem Eintrag ins Grundbuch rechtlich möglich und könnte  von besorgten Eigentümern in bedrohten Gartenstädten als probates Mittel angewendet werden. 


 

Schmedererweg

An den Schöpfer des  „Kroneparks“ erinnert heute nur noch der „Schmedererweg“, der  durch die öffentliche Grünanlage vom Nockherberg zur Brücke über die Eisenbahnstrecke München – Rosenheim führt.

Diese Wegebenennung erfolgte bereits 1928.  Im Amtlichen Stadtplan der Stadt München sind derzeit - Stand: 24. Juni 2015 - weder der Schmedererweg noch der Kronepark eingetragen.  Auf    Hinweis von Klaus Bäumler  wird eine  Ergänzung erfolgen.

 

 

Station 6: Schmederersteg

Der tiefe Einschnitt der Bahntrasse München – Rosenheim zwischen dem Kronepark und der Straße „Am Bergsteig“ wird durch den „Schmederersteg“ überbrückt. Der Schmederersteg verbindet als „Grenzbrücke“ die Stadtbezirke 5  Au-Haidhausen und 17 Obergiesing-Fasangarten. Die  „Wegbrücke für Fußgänger“ wurde bereits 1869 beim Bau der Eisenbahn durch die Königliche Eisenbahndirektion errichtet und steht heute im Unterhalt des städtischen Baureferats.  Offen ist derzeit, ob die Eisenbahndirektion dieses Brückenbauwerk aus freien Stücken errichtet hat oder die Stadt München den Bau im Interesse des beliebten traditionellen Spazierwegs an der Isarhangkante und  als fußgängerfreundlichen Zugang zur Giesinger Kirche gefordert hatte.  Jedenfalls dokumentiert der Schmederersteg, dass schon in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bei technischen Großvorhaben  auf die Belange der erholungssuchenden Bürgerschaft Rücksicht genommen wurde.

Station 7: Fuß- und Radwegbrücke am Candidberg (Mittlerer Ring)

Auch die  großen städtischen Verkehrsplanungen des 20. Jahrhunderts berücksichtigten weitgehend  die Belange der Fußgänger. Speziell  beim Ausbau des Mittleren Rings  wurden zahlreiche Fußgängerbrücken errichtet. „Die Überführung wird in jüngster Zeit mehr angewandt als die Unterquerung“, wird bereits 1984 in dem Standardwerk „München und seine Bauten nach 1912“ konstatiert.

Mit dem Bau der sog. Candidauffahrt  in den Jahren 1967/69 wurde der  Isarhang beim 6o-er Stadion  in vier Ebenen überwunden.  Von der obersten Ebene, der Fuß- und Radwegbrücke, ergibt sich ein beeindruckender Blick auf das gewaltige Verkehrsbauwerk, aber zugleich  ein freier,  unverbaubarer Blick über die Isarauen hinweg  nach Sendling.

Station 8: Bürger-Allianz für das Brückenprojekt  am Giesinger Berg

Ein aktueller Schwerpunkt der Exkursion war die seit Jahren geforderte  Errichtung einer Brücke für Fußgänger und Radler am Giesinger Berg, da die „Grüne Achse“ entlang der östlichen Isarhangkante in diesem Bereich gravierend unterbrochen ist.  Hier wurde zwar in den Jahren 1975/77 eine anspruchsvoll gestaltete Fußgängerunterführung  errichtet, die Teilnehmer der Exkursion konnten sich aber an Ort und Stelle überzeugen, dass dieses Bauwerk dringend einer Ergänzung bedarf. Bereits seit 2002 existiert die Projektidee, die vielspurige Verkehrsschneise mit einem Steg  zu überbrücken und so die Lücke des Hochuferwegs zu schließen.  Matthias Rajmann, der in Giesing wohnt,  begründete  bei der Exkursion die Notwendigkeit des Projekts.   Architekt Ludwig Karl stellte sein Entwurfskonzept vor:  Ein  filigraner Steg, der auf  kürzestem Weg den Giesinger Berg überbrückt und sich optimal in das städtebauliche Umfeld einfügt.     Insgesamt eine vorbildlich durchdachte und aus sich heraus überzeugende  „Bürger-Initiative“, die es gilt mit Priorität im politisch-administrativen Entscheidungsprozess voranzubringen. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts  kann mit diesem  Brückenbauwerk die gute  Münchner Brückenbau-Tradition im Bereich des Isarhochufers zwischen  Gasteig und Harlaching  beispielhaft  fortgeführt werden.  Das Großprojekt der Neubebauung des Paulaner-Geländes  am Nockherberg sollte  einen wichtigen Impuls  für diesen Brückenbau geben, etwa  im Rahmen einer Public-Private-Partnership. Der Arbeitskreis Öffentliches Grün ist einig,  eine umfassende Allianz zur Realisierung dieses Projekts  aufzubauen.

Station 9: Planungen für ein Tierpark-Parkhaus an der Siebenbrunner Straße

Letzte Station der Exkursion war  der Parkplatz des Tierparks Hellabrunn an der Siebenbrunner Straße. Nach den in der Öffentlichkeit bekannt gewordenen Plänen der Tierpark AG soll  dort  im Landschaftsschutzgebiet am Fuss des Isarhangs ein  Parkhaus  errichtet  werden.  Das Projekt  trifft auf entschiedenen Widerstand  von Bund Naturschutz -  Kreisgruppe München und  des Roten Kreuzes.  An Ort und Stelle entwickelte sich mit Vertretern des Bezirksausschusses 18 Untergiesing-Harlaching, die das Projekt befürworten, eine lebhaft – engagierte Diskussion.  Dabei ging es vor allem um ein Verkehrsgutachten, das die Tierpark AG dem BA 18 überlassen hat, dies jedoch  mit der Maßgabe, sich damit nur in nichtöffentlicher Sitzung zu befassen. Dieses Procedere wurde in der Diskussion heftig kritisiert. Der Arbeitskreis Öffentliches Grün hat sich  an Bürgermeisterin Christine Strobl - Aufsichtsratsvorsitzende der Tierpark AG - mit der Bitte um  Überlassung des Gutachtens gewandt, der aber  bisher  nicht entsprochen wurde. Das dem Arbeitskreis Öffentliches Grün zwischenzeitlich  von  der Tierparkdirektion angebotene Gespräch macht   nur Sinn, wenn das Verkehrsgutachten nicht als Geheimsache behandelt, sondern  dem  Arbeitskreis  vor einem  Gespräch überlassen wird.

Den Plan zur Exkursion finden Sie hier

Klaus Bäumler

Mittwoch
Jun102015

Einladung zur Radlexkursion

Antike Stätten im Hachinger Tal im Festjahr 1225 Jahre Nennung der Gemeinde Perlach 


Start am Samstag dem 11. Juli  2015

um 9.00 h auf dem Parkplatz zur Waldhaus am Deininger Weiher,

Deininger Weiher 4, 82064 Straßlach-Dingharting

Fahrt über Kleindingharting und Ödenpullach oder alt. durch das Gleißental mit dem

10.00 h      1. Treffen an der Tafel Keltenschanzen und Römerstraße bei der Straßenbrücke ST 5000 Deisenhofen über die Bahn.

Führung durch Dr. Later vom BL für Denkmalpflege.

Weiterfahrt bis zu den ersten Quellen des Hachinger Baches.

11.00 h      2. Treffen an der Kirche St. Stephanus in Oberhaching. Erläuterungen zur Baugeschichte durch Dr. Later

Fahrt entlang des Hachinger Baches über Furth und

12.00 h      3. Treffen an der Kirche St. Johannes in Taufkirchen. Baugeschichte, Ortsgeschichte und ehem. Burg Taufkirchen

Fahrt über Dorfstr. auf dem östlichen Hochufer nach Bergham Glonner Weg/Ziegelweg  mit frühgeschichtlicher Siedlungstopographie und Reihengräberfeld

13.00 h      4. Treffen bei der Kirche St. Korbinian in Unterhaching 7 Jahrhunderte Baugeschichte der Kirche durch Dr. Later

Einkehr möglich zur Mittagspause im Gasthof Kammerloher, eine Besichtigung des Heimatmuseums wird angeboten.

Fahrt über das Sport und Infineon Gelände oder

alt. längs des Hachinger Bachs

15.00 h      5. Treffen an der Kirche St. Georg in Unterbiberg. Spätantikes Gräberfeld und Bodendenkmäler

Fahrt über die Unterbiberger Str. oder alt. längs des Hachinger Bachs nach Perlach und

16.00 h      6. Treffen Perlach Schmidbauerstr./Hofangerstr. Mit Spuren der römischen Wassermühle und Gräberfeld.

Das Heimatarchiv Perlach Sebastian-Bauerstr. 25 am Bach bietet eine Führung für Teilnehmer der Tour an.

Abschluß am Pfanzeltplatz bei St. Michael

Einkehr möglich im Perlacher Hof oder in der Post am Bach oder im Hufnagel Ottobrunner Str.

Wir bitten um Anmeldung:  per email mit Namen und Mobile Nr.

beim Festring Perlach: manfred.westner@t-online.de

oder beim

Münchner Forum: info@muenchner-forum.de

Den Flyer finden Sie hier.